Rezension der Welttournee von Judith Hill 2025
Die Größen im Showbusiness wären um vieles kleiner, wenn es die zahllosen unbekannten, aber in vielem ebenbürtigen Talente in ihrem Umfeld nicht gäbe. Der Film „20 Feet from Stardom“ von 2013 führte das deutlich am Beispiel der, meist afroamerikanischen, Backup-Sängerinnen und -Sänger vor.
Judith Hill war die Jüngste von ihnen, die darin porträtiert wurden, damals 28-jährig. Sie sang mit Jackson, sie war liiert mit Prince. Und sah beide sterben.
Letters from a Black Widow
Nun tourt sie mit ihren frischen 41 Lenzen durch Europa und die USA mit dem neuen Programm „Letters from a Black Widow“. Ich hatte das Glück, sie in der sagenhaften Kulisse des Festivals „Jazz en la Costa“ im Parque El Majuelo in Almuñécar (Costa Tropical, Spanien) auf der Bühne erleben zu dürfen.
Ihre Power ist beeindruckend. Die soulige Stimme reißt alles nieder. Sie spielt E-Gitarre im Jimi-Hendrix-Stil. Und gibt sich mit ihrer Mutter Keyboard-Duelle. Ja, richtig gelesen: Mama ist auch auf der Bühne. Und Papa! Quasi Familienunternehmen.
On Stage: Tochter, Mutter, Vater, Drummer
Michiko Hill hat asiatische Wurzeln und beeinflusst mit ihrer Hammond B3 und dem Clavia Nord Stage deutlich den Sound. Vater Pee Wee Hill zupft den E-Bass, und zwar zünftig funky. Shadrack Oppong am Schlagwerk ist auch nicht von schlechten Eltern.
Es war laut Angaben des Festivals das erste Konzert, das dieses Jahr ausverkauft war. Bemerkenswerterweise war es auch das einzige mit einer Frontfrau. Wie auch, so weit ich mich erinnern kann, in den vorangegangenen Jahren. Überhaupt waren unter den 24 Künstlern der einwöchigen Veranstaltung nur drei Damen: Judith Hill, ihre Mutter, und die Drummerin Roni Kaspi tags zuvor. Verglichen mit internationalen Festivals wie Montreux ein unverzeihliches Ungleichgewicht. Das lässt leider altbackenen Provinzgeist in der Festivalkonzeption vermuten.
Die Chance, authentisch zu bleiben
Judith Hill geht offensichtlich ihren Weg. Er ist nicht der eines Superstars, sie besitzt aber rundum ebenbürtige Talente. Sich „20 Fuß entfernt vom Berühmtsein“ zu befinden, kann man als Fluch interpretieren. Vielleicht ist es aber für eine Künstlerin wie Judith Hill eine Chance, authentisch und kreativ zu bleiben und glücklich ihr Ding zu machen.
Line-up:
Judith Hill, Stimme, E-Gitarre, Keyboard
Michiko Hill, Keyboard und Hammond B3
Shadrack Oppong, Schlagwerk
Pee Wee Hill, E-Bass
Tourdaten im deutschen Sprachraum:
Mittwoch, 20. August, Mühle Hunziken, Rubigen, CH, @muhle_hunziken
Donnerstag, 28. und Freitag, 29. August, Villa Felber, Ermatingen, CH, @villa_felber
Samstag, 6. September, Kulturhuus Häbse, Basel, CH, @kulturhuushaebse
Sonntag, 7. September, INDUSTRIE36.events, Rorschach, CH, @industrie36.events
Montag, 8. September, Altes Kino, Rankweil, AT, @alteskinorankweil
(Dazwischen und danach z. B. auch in London, Manchester, Leeds, Indianapolis, New York und Chicago.)
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